Für einen Text in Leichter Sprache gibt es eine Reihe gut geeigneter und gut lesbarer Schriftarten. Für Menschen mit Lese- und Lernschwierigkeiten gelten oft dieselben Grundsätze wie für Menschen ohne Lese- und Lernschwierigkeiten. Es gibt aber nicht die eine gut lesbare Schrift. Allerdings sollte eine gut lesbare, möglichst barrierefreie Schriftart einige wichtige Kriterien erfüllen.

Vorgaben nach WCAG, BITV 2.0 und DIN SPEC

Für Texte in Leichter Sprache ist eine barrierefreie Schriftart nicht verpflichtend. Dennoch gibt es in Deutschland mehr als 7,5 Mio. Menschen mit Sehbehinderung, Dyslexie, Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) und anderen Behinderungen, für die eine gut lesbare, barrierearme oder komplett barrierefreie Schriftart eine enorme Hilfe beim Lesen darstellt.

Die WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) und die BITV 2.0 (Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz) machen keine konkreten Vorgaben zur Auswahl der Schriftart, und auch die DIN SPEC empfiehlt lediglich klare, serifenlose Schriftarten, wie zum Beispiel Arial oder Calibri.

Vorgaben für Leichte Sprache

Für Texte in Leichter Sprache gibt es Vorgaben zur Typographie in der DIN SPEC. Diese beziehen sich allerdings nur auf die Gestaltung und den Schriftsatz. Die wichtigsten Punkte sind:

  • Die Schriftgröße sollte zwischen 14 pt und 18 pt liegen.
  • Der Zeilenabstand sollte zwischen 1,2 und 1,5 Zeilen betragen.
  • Die Ausrichtung sollte immer linksbündig sein und nicht im Blocksatz.
  • Auf Hervorhebungen wird besser verzichtet. Lediglich Fettdruck für Hervorhebungen ist erlaubt.
  • Auch Versalien bzw. das Schreiben nur in GROSSBUCHSTABEN sollte vermieden werden.
  • Der Kontrast zwischen Schriftfarbe und Hintergrund sollte möglichst hoch sein und mindestens 4,5:1 betragen. Bei Schwarz auf Weiß ist das zum Beispiel der Fall.

Wann ist eine Schrift gut lesbar?

Eine Schriftart ist gut lesbar, wenn man die einzelnen Zeichen gut erkennen kann und sie flüssig und gut lesen kann.

Das erreicht man durch die genannten Vorgaben zum Schriftbild, wie zum Beispiel Schriftgröße und Zeilenabstand. Studien bestätigen: Die Lesbarkeit wird für alle Menschen erhöht. Aber auch die Ausgestaltung der Schriftart und der einzelnen Buchstaben und Zeichen ist sehr wichtig. Sprich: Für die optimale Lesbarkeit einer Schriftart sollten die Kriterien der DIN 1450 erfüllt sein. Diese berücksichtigt Leseabstände, Sehschärfe und Kontraste sowie Zeichenabstände und die Unterscheidbarkeit der Zeichen.

Barrierefreie Fonts müssen also eine sehr gute Unterscheidbarkeit der Zeichen aufweisen. Wichtig sind hier vor allem Zeichen, die leicht verwechselt werden können, wie das große „I“, das kleine „i“ und die Zahl „1“.

 

Aber auch die Null, das große „O“ und das kleine „o“ sollten gut zu unterscheiden sein und sich nicht zu ähnlich sein.

Auch die Buchstaben „q“ und „p“ sowie „d“ und „b“ lassen sich leicht verwechseln, da sie oft nur gespiegelt sind. Das macht Menschen mit LRS oft Probleme. Sie sollten also deutliche Unterschiede aufweisen, um die Unterscheidbarkeit zu erhöhen.

Für die Zahlen Sechs und Neun gilt das übrigens auch.

Auch zu kleine Öffnungen (Punzen) können beim Lesen zu Problemen führen. Eine barrierefreie Schriftart achtet auf ausreichend große Buchstabenöffnungen. So sind Buchstaben und Zeichen auch bei Sehschwäche und verschwommenem Text gut zu erkennen.

Mit Serifen oder serifenlos?

Für Leichte Sprache werden Schriftarten ohne Serifen empfohlen. Eine klassische Schriftart ohne Serifen ist zum Beispiel Arial, eine sehr bekannte Schriftart mit Serifen ist Times New Roman.

Tatsächlich gibt es auch gut lesbare, barrierearme Schriftarten mit Serifen. Bei zu geringer Bildschirmauflösung werden diese aber oft schlecht lesbar. Tatsächlich kommen einige Kriterien zusammen, die eine Schriftart schlecht lesbar machen.

Wer auf der sicheren Seite sein will, nutzt eine serifenlose, möglichst barrierearme Schriftart für seine Texte in Leichter Sprache.

Kostenlose barrierearme und barrierefreie Fonts

Atkinson Hyperlegible ist eine Schriftart, die vom Braille Institute of America gezielt für Menschen mit Sehbehinderung entwickelt wurde. Sie ist kostenlos und kann auf der Webseite heruntergeladen und genutzt werden.

Aber auch unter Microsoft und Windows finden sich einige barrierearme Standardschriften wie Calibri, Arial, Verdana oder Tahoma. Auch Segoe UI ist eine gut nutzbare und barrierearme Schriftart, die in Microsoft Office enthalten ist.

Unter den kostenlosen Google-Fonts finden sich auch einige gut geeignete Schriften und Fonts, wie die bereits erwähnte Atkinson Hyperlegible. Aber auch Fonts wie Noto Sans, Nunito oder Open Sans lassen sich gut lesen und völlig kostenfrei nutzen.

Letztlich kommt es bei der Auswahl der Font auch auf den Nutzer an. Nehmen wir die bekannte, aber unter Designern recht unbeliebte Schriftart Comic Sans MS: Was von Designern belächelt wird, ist für Menschen mit Legasthenie und Dyslexie eine der am besten lesbaren Schriftarten. Comic Sans erfüllt viele Kriterien für eine barrierefreie Typografie.

Zusammenfassung

Für Texte in Leichter Sprache gibt es nicht die eine perfekte Schriftart. Entscheidend ist vielmehr, dass die Schrift gut lesbar und möglichst barrierearm gestaltet ist. Dazu gehören eine ausreichende Schriftgröße, guter Kontrast, linksbündige Ausrichtung und vor allem eine klare Unterscheidbarkeit der einzelnen Zeichen. Serifenlose Schriftarten wie Arial, Calibri oder Open Sans erfüllen viele dieser Anforderungen. Speziell entwickelte barrierefreie Fonts wie Atkinson Hyperlegible können die Lesbarkeit zusätzlich verbessern. Letztlich sollte die Wahl der Schriftart immer die Bedürfnisse der jeweiligen Leser berücksichtigen und zu Ihrem Unternehmen passen.

Christiane Biederbeck, M.A.

Gerther Str. 17
44627 Herne

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