Verständliche Kommunikation ist eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Behörden, öffentliche Einrichtungen, Unternehmen und Organisationen stehen zunehmend vor der Aufgabe, Informationen so zu vermitteln, dass sie von möglichst vielen Menschen verstanden werden. Einfache Sprache spielt dabei eine Schlüsselrolle. Mit der DIN ISO 24495-1 für Einfache Sprache existiert seit Kurzem erstmals eine verbindliche internationale Norm, die klare Anforderungen an verständliche, bürgernahe Sprache definiert.
Was ist Einfache Sprache?
Einfache Sprache ist eine Form des sprachlichen Ausdrucks, die darauf abzielt, Inhalte klar, strukturiert und leicht verständlich zu vermitteln ohne dabei Informationen zu verkürzen oder zu verfälschen. Sie richtet sich an ein breites Publikum, insbesondere an Menschen, die komplexe Fach- und Verwaltungssprache als Barriere empfinden.
Im Unterschied zur Alltagssprache folgt Einfache Sprache bewussten Regeln: kurze Sätze, geläufige Wörter, logischer Aufbau und eine klare Leserführung.
Bürgernahe Sprache als Ziel
Einfache Sprache ist ein zentrales Instrument bürgernaher Kommunikation. Bürgernahe Sprache bedeutet, Menschen auf Augenhöhe anzusprechen, Transparenz zu schaffen und Vertrauen zu fördern. Gerade in der Verwaltung, im Gesundheitswesen oder im Rechts- und Sozialbereich entscheidet Verständlichkeit darüber, ob Informationen tatsächlich ankommen.
Wer bürgernah kommuniziert
- vermeidet unnötigen Fachjargon
- erklärt komplexe Sachverhalte nachvollziehbar
- strukturiert Texte logisch
- und orientiert sich an den Bedürfnissen der Leserinnen und Leser.
Einfache Sprache ist dabei kein „Vereinfachen um jeden Preis“, sondern ein bewusster Perspektivwechsel: Weg von Fachsprache und Amtsdeutsch, hin zur Sicht der Öffentlichkeit.
Die DIN ISO 24495-1: Ein Meilenstein für Einfache Sprache
Mit der DIN-Norm für Einfach Sprache wird erstmals eine international gültige Norm für verständliche Sprache veröffentlicht. Sie bildet das normative Fundament für Einfache Sprache in Deutschland und darüber hinaus.
Zentrale Inhalte der Norm
Die DIN ISO 24495-1 definiert Grundprinzipien, nach denen Texte verständlich gestaltet werden sollen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur der Text selbst, sondern der gesamte Kommunikationsprozess. Zu den wichtigsten Aspekten gehören:
Die Zielgruppe steht im Mittelpunkt
Texte müssen konsequent auf die Zielgruppe ausgerichtet sein. Ihre Vorkenntnisse und Bedürfnisse sind entscheidend.
Klare Struktur für mehr Verständlichkeit
Inhalte sollen logisch aufgebaut, gut gegliedert und Informationen leicht auffindbar sein.
Verständliche Wortwahl und Alltagssprache
Bevorzugt werden bekannte, konkrete und eindeutige Wörter. Fachbegriffe sollen vermieden oder erklärt werden.
Einfache Satzstrukturen und logischer Informationsfluss
Kurze, aktive Sätze verbessern Lesbarkeit und Verständnis. Passiv und Genetiv werden nicht genutzt.
Gestaltung als Teil der Verständlichkeit
Layout, Überschriften, Listen und Bilder werden ausdrücklich als Teil verständlicher Kommunikation betrachtet.
Bemerkenswert ist: Die Norm versteht Verständlichkeit als Qualitätsmerkmal professioneller Kommunikation und nicht als Sonderlösung für bestimmte Zielgruppen.
Abgrenzung: Einfache Sprache und Leichte Sprache
Einfache Sprache wird häufig mit Leichter Sprache verwechselt, beide Konzepte verfolgen jedoch unterschiedliche Ziele.
Leichte Sprache richtet sich in erster Linie an Menschen mit starken Lernschwierigkeiten oder kognitiven Beeinträchtigungen. Sie folgt sehr strengen Regeln, etwa:
- sehr kurze Sätze Hauptsätze
- stark vereinfachter Wortschatz
- umfangreiche Erklärungen
- häufige Nutzung von Bildern
- Prüfung der Texte durch die Zielgruppe.
Leichte Sprache ist bewusst stark reduziert und stellt eine barrierefreie Sonderform dar.
Einfache Sprache hingegen:
- richtet sich an eine breite Öffentlichkeit
- ist weniger reglementiert
- erlaubt differenzierte Inhalte
- orientiert sich an professionellen Qualitätsstandards
Damit ist Einfache Sprache kein Ersatz für Leichte Sprache, sondern eine Ergänzung im Spektrum verständlicher Kommunikation.
Bedeutung für Praxis und Gesellschaft
Die DIN ISO 24495-1 gibt Organisationen erstmals eine verlässliche Grundlage, um Verständlichkeit systematisch umzusetzen und zu bewerten. Sie ist besonders relevant für:
- öffentliche Verwaltung und Behörden
- politische Kommunikation
- Unternehmen mit Kundenkommunikation
- Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen
- Medien und Öffentlichkeitsarbeit.
Fazit
Einfache Sprache ist mehr als ein Stilmittel. Sie ist ein Ausdruck von Respekt, Transparenz und Bürgernähe. Mit der DIN-Norm wird Verständliche Sprache und Kommunikation erstmals verbindlich definiert und als Qualitätsstandard etabliert. Die klare Abgrenzung zur Leichten Sprache schafft zusätzlich eine Orientierung. Wer heute verständlich kommuniziert, handelt nicht nur inklusiv, sondern auch professionell und zukunftsorientiert.

